Schimpfen - aber bitte anonym!

01.10.2014

Gesellschaftsproblematisches Lieben

Da war es wieder, das böse Telefon. Es wird keine Nummer angezeigt. Trotzdem hebe ich unbedarft ab. Und da war sie, die Stimme, die ich schon kannte... die Stimme einer aufgewühlten, wütenden Frau, die meint - warum auch immer - ihre scheint's aufgestauten Gefühle bei mir entladen zu müssen...

Dieses Mal ging es um eine Veröffentlichung über die gestiegenen Geburtenzahlen im hiesigen Krankenhaus. Statt dass sich die Dame - wie alle Beteiligten - über die vielen neuen Erdenbürger, das Wunder der Geburt und die gute geburtshilfliche Betreuung in Heimatnähe freut, findet sie nur Anlass zum Schimpfen. Anonym natürlich!

So war es auch beim letzten Mal. Ähnliches Thema: Babys. Damals hatte ich über meine erfolgreiche Idee des "Vatertages" berichtet, eine Männerrunde, bei denen Väter unter Gleichgesinnten Gehör und gegenseitiges Verständnis finden. Denn auch für sie - so stelle ich es mir vor - ist das Vater werden und Vater sein nicht immer einfach: Hormongeschwängerte Frauen, schreiende Babys, Ängste vor der zunehmenden Verantwortung... und dann noch klassische Themen wie "Muss ich jetzt mein Sportwagen verkaufen?", "Hab ich jetzt nur noch eine Mutter statt Frau an meiner Seite?" oder ganz banal "Bleibt mir als Vater noch Zeit für meine Kumpels?" Diesen Artikel fand die Dame "einfach ekelhaft, pervers und abscheulich".

Dieses Mal sprach sie wenigstens nicht auf den Anrufbeantworter, sondern traute sich, sich direkt mit mir zu konfrontieren. "Sind Sie verantwortlich für den Artikel?", "Sind sie Christ?", "Aber bestimmt evangelisch?", "Katholisch?!?"... und ein Wortschwall in höchster Dezibelzahl kam aus ihr herausgeplatzt: "Schämen Sie sich nicht, so was Ordinäres und Diskriminierendes Frauen gegenüb...." Ich legte auf.

Zuvor hatte ich versucht, freundlich auf die Damen einzugehen. Versucht, herauszufinden, wer mich überhaupt anruft. Doch ich kam nicht zu Wort. Was ich in den Schimpftiraden noch heraushören konnte war, dass der Tag der Veröffentlichung der Gedenktag "Theresia vom Kinde Jesus und dem heiligen Antlitz" war... Theresia, eine engagierte Christin aus Frankreich, die sich aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte und Erkrankung früh für ein Leben im Kloster entschied. Ihr Wirken war so beeindruckend, dass sie und auch ihre Eltern nach ihrem frühen Tod mit 24 Jahren heiliggesprochen wurden. Doch: Was hat Theresia mit dem Vogelsberger Babyboom zu tun?

Ich habe es nicht verstanden. Auch das Bistum Mainz nicht. Dort rief ich nämlich an und bat um Aufklärung: Was hatte ich falsch gemacht? Ich fürchtete schon, ich würde dort als Atheistin deklariert werden. Wurde ich nicht. Ich erntete Verständnis über meine Verwirrung. Man begegnete der Sache mit Humor - im tiefen katholischen Mainz!

Wir sinnierten über die Beweggründe der Damen, die immer wieder die Energie aufbringt, zum Telefonhörer zu greifen, um mich zu beschimpfen. Es waren reine Spekulationen... aber es scheint etwas mit ihren "Beziehungen" zu tun zu haben - ob zu Gott, zum Kinderkriegen oder zum männlichen Geschlecht. Vielleicht hat die Dame ihre Wohlfühlrolle als Frau noch nicht gefunden? Wer weiß...

Ich jedenfalls werde versuchen, solche "Telefonangriffe" nicht zu nahe an mich herankommen zu lassen. Gar nicht so einfach, wenn man mit Leib und Seele seinen Job erledigt, immer mit dem Herzen dabei, und Positives bewirken möchte... und dann so persönlich angegriffen wird! Aber so ist das eben - jeder denkt, fühlt & handelt anders und der gegenseitige Respekt fehlt oftmals.

PS: Kategorie "Liebe"! Warum? Weil jede Beziehung - ob zu Gott, Babys, Partnern, Kirche, Job - ohne "Liebe" nicht funktioniert. Und in dem Fall ist es meine Liebe zum Beruf und ihre Liebe zu Gott, die hier wohl für ordentlichen Zündstoff sorgen.

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